Ende des Frankreich-Abenteuers: Das Tour-Drama um Lipowitz

Radio Euskirchen

Ende des Frankreich-Abenteuers: Das Tour-Drama um Lipowitz

Tour de France 2026 - Florian Lipowitz
© Stefan Tabeling/dpa

Radsport

Chambery (dpa) - Als das Peloton der Tour de France im sonnigen Chambery zum Start rollte, lag Pechvogel Florian Lipowitz noch immer im Krankenhaus und erholte sich von seinem heftigen Sturz. Sein zweites Frankreich-Abenteuer hatte sich der deutsche Podiumskandidat ganz anders vorgestellt. Statt auf den prachtvollen Champs-Élysées in Paris endete die Rundfahrt für den deutschen Profi schon am Fuße der Alpen in einer Klinik.

Er sei «mega enttäuscht», sagte Teamchef Ralph Denk beim Start der 17. Etappe in Chambery. «Er ist noch im Krankenhaus und wird dort voraussichtlich noch die Nacht verbringen», sagte Teamchef Ralph Denk. Lipowitz war wenige Stunden nach seinem Sturz-Aus am gebrochenen Schlüsselbein operiert worden.

Denk über Lipowitz: «Mega enttäuscht»

Lipowitz wird mit einer Ausfallzeit von mindestens sechs Wochen rechnen müssen. Offen ist, wie die Saison für ihn weitergeht. «Ich gehe davon aus, dass man ihn in diesem Jahr noch auf dem Rad und bei Rennen sehen wird», sagte Denk.

Für die Vuelta in Spanien (22. August bis 13. September) oder die WM in Montreal (20. bis 27. September) dürfte es kaum reichen. Möglicherweise sind im Herbst noch Eintagesrennen in Italien wie die Lombardei-Rundfahrt (10. Oktober) möglich.

Evenepoel: «Wir werden ihn vermissen»

Beim Red-Bull-Team herrschten am Abend im schmucklosen Teamhotel Campanile Findrol Savoie Leman gemischte Gefühle. Als Doppel-Olympiasieger Remco Evenepoel nach seinem zweiten Etappensieg in Folge zum Team sprach, erwähnte er zuallererst Lipowitz.

«Es ist ein großer Verlust für uns, aber in erster Linie für ihn und die Opfer, die er gebracht hat, um hierherzugelangen», sagte der aktuell Zweitplatzierte hinter Dominator Tadej Pogacar. «Wir werden ihn vermissen», schob er hinterher.

Das sah man auch an der Teamspitze nicht anders. «Wir werden ihn nicht nur im Kampf ums Podium vermissen, sondern wir werden ihn auch als Menschen vermissen», hatte Denk zuvor gesagt.

Die Rede von Evenepoel setzte den vermeintlichen Schlusspunkt eines Ringens um die Führungsrolle im Team, die die Tour bislang begleitet hat. Das Verhältnis zwischen den als gleichberechtigten in die Tour gestarteten Kapitänen war von Experten genauestens seziert worden.

Für Lipowitz lief die Tour von Anfang an unglücklich. Evenepoel selbst setzte eine Macht-Duftmarke, als er Lipowitz gleich nach der ersten Gebirgsherausforderung in den Pyrenäen für fehlende Unterstützung harsch kritisierte. Danach wurde zwar öffentlich beteuert, wie gut die Stimmung sei, doch das Verhalten dürfte Spuren beim zurückhaltenden Lipowitz hinterlassen haben.

Als Doppelspitze in Tour gestartet: Florian Lipowitz (l.) und Remco Evenepoel. (Archivbild) © Clara Margais/dpa
Als Doppelspitze in Tour gestartet: Florian Lipowitz (l.) und Remco Evenepoel. (Archivbild)
© Clara Margais/dpa

Danach lief es für Evenepoel immer besser. Und Lipowitz konnte sich im Vergleich zum vergangenen Jahr kaum zeigen. Auf der Bergetappe zum Plateau de Solaison fiel er zurück und musste Spitzenreiter Pogacar und auch Evenepoel ziehen lassen. Das kam überraschend, denn man hatte dem gebürtigen Laichinger bei den langen Anstiegen deutlich mehr zugetraut als seinem belgischen Kollegen.

«Riesen-Erwartungshaltung von ganz Radsport-Deutschland»

Denk verteidigte die Herangehensweise des Teams. «Wir sind froh, dass wir die Doppelstrategie gewählt haben», sagte er angesichts des möglichen zweiten Gesamtrangs in Paris durch Evenepoel. Dass Lipowitz teils anders auftrat, als noch in seiner Debüt-Saison wollte Denk nicht auf Evenepoel beziehen. «Dieses Jahr ist er schon gestartet mit einer Riesen-Erwartungshaltung von ganz Radsport-Deutschland. Das ist der Unterschied. Und Remco, glaube ich, hat ihm da viel Druck eher genommen.»

Gibt es diese Konstellation noch einmal? «Wir haben für viel Gesprächsstoff gesorgt mit der Doppelstrategie», sagte Denk. Zuerst müsse man die Strecken der kommenden Grand Tours einschließlich der Tour sehen. «Und dann werden wir überein kommen, wie wir unsere Strategie aufbauen.»

Hätte man den Sturz verhindern können? Lipowitz hatte laut Denk «sehr, sehr viel Geschwindigkeit drauf». «Wahrscheinlich zu viel. Also ich sehe sonst keinen anderen Schuldigen.» Dennoch warf er die Frage auf, ob man möglicherweise den Gehsteig in der Kurve besser hätte absichern können. Zudem hätte mehr Trainingszeit auf dem Kurs nicht geschadet. Lipowitz war in einer gefährlichen Rechtskurve zu Fall gekommen und gegen den Bordstein geschlittert. Das denkbar schlechte Ende nach seinem dritten Gesamtrang vor einem Jahr.

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Tour de France 2026 - Florian Lipowitz
Florian Lipowitz auf dem Weg zur Untersuchung. © Stefan Tabeling/dpa
Florian Lipowitz auf dem Weg zur Untersuchung.
© Stefan Tabeling/dpa
Florian Lipowitz und Remco Evenepoel
Als Doppelspitze in Tour gestartet: Florian Lipowitz (l.) und Remco Evenepoel. (Archivbild) © Clara Margais/dpa
Als Doppelspitze in Tour gestartet: Florian Lipowitz (l.) und Remco Evenepoel. (Archivbild)
© Clara Margais/dpa